Der anachronistische Zug III: Thorshämmer
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Wie gestern aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, sind alle Thorshämmerfunde Frauen zuzuordnen - natürlich sofern ein Geschlecht bestimmbar ist. Ausnahme sei der Fund aus Repton (England, 8. Jhdt.).Ich hatte ja schon bisher so meine Befürchtungen, aber man soll in diesem Hobby ja besser niemand glauben. Mein schneller Check in Birka I bei einer Handvoll Thorshämmer oder Thorshammerringen ist ein Indiz für die Befürchtung:
Thorshämmer sind Frauenschmuck!
Ist das Weltbild eines anständigen Wikingers damit nicht genug angekratzt? NEIN - es kommt noch schlimmer:
Bei Wladyslav Duczko (Viking Rus, 2004) ist zu lesen, dass zu vermuten ist, dass Thorshämmer (jedenfalls in der Zeit Ihrer größten Verbreitung im 10. Jhdt.) christliche Symbole waren.
Thorshämmer sind christlich!
Wessen Weltbild soll da nicht zusammenstürzen! Wikinger hatten keine Hörnerhelme, keine Trinkhörner am Gürtel, trugen als Mann keine Thorshämmer, hatten christliche Frauen und keine Brettchenborten in Schnurbindung und ich befürchte, dass sie auch nicht alle wie K.u.K.-Husaren aussahen.
Schrecklich!
Demnächst mehr Belege in diesem Programm.
borre - 1. Aug, 21:53

Christlich?
Weshalb sollten Thorshämmer christlich sein?
Näheres wäre gut ;-)
LG
Hallveig
Thorshämmer sind weiblich?
Duczko (Viking Rus, 2004) schreibt:
"Pendants in the form of a hammer made in silver are frequently found everywhere in tenth century Scandinavia, almost exclusively in hoards, only in a few cases in burials, predominantly in female ones."
Eine spezielle Kategorie sind die eisernen "Halsringe" mit ggf. mehreren Hämmern und anderen Anhängertypen, die insbesondere im östlichen Mälarengebiet und in Russland. Sie wurden hauptsächlich in Gräbern gefunden: "60% female and 40% male" in Schweden. Bei Brandgräbern lagen die Ringe oft oberhalb der Urne, bei Körpergräbern meist nicht im Bereich des Halses, dies läßt die Vermutung zu, dass es sich nicht um persönlichen Halsschmuck handelt, sondern eher um Opfergaben.
Beides zusammen führt mich zu dem Schluss, dass silberne Thorshämmer (gar mehrere) als typisch männliches Attribut im Wikinger-Reenactment wenig geeignet sind.
Christliche Thorshämmer?
Duczko stellt Münzen vor, auf denen sowohl Kreuz und Hammer abgebildet sind (als Grafitti, Mitte 10. Jhdt., Russland), sowie einen Kamm aus Gnezdilovo auf dem ebenso beide Zeichen abgebildet sind. Auf Münzen christlich-dänischer Könige von York sind Schwert und Hammer als Symbole der Macht abgebildet. Bekannt sind der "Wolfshammer" aus Island mit einem offenen Kreuz in der Mitte und die Gussformen sowohl für Hämmer als auch Kreuze. In Haithabu wurde ein silberner Hammer mit kleinen Kreuzen gefunden.
Duczko sieht den Hammer (ggf. in Verbindung mit dem Schwert) als Zeichen skandinavischer Identität, Kontinuität und Symbol der Macht an, auf das Herrscher nach ihrer Taufe nicht verzichten wollten bzw. konnten. Im Sinne einer Interpretatio Christiana wurde der Hammer als Symbol Thors als christliches Zeichen übernommen, was den Übergang zum Christentum vereinfacht hat. (Man vergleiche hier die Weiterverwertung heidnischer, bestimmten Göttern geweihter Orte im Christentum mit Verbindung zu den "neuen" Heiligen.) Im größten Teil lief die Christianisierung ja gerade nicht mit "Feuer und Schwert".
Duczko schreibt (dann doch etwas provokant, finde ich): "Thor was obviously associated with Christ and through the interpretation Christiana even his hammer was turned into cross."
Nun, die These, dass der Thorshammer als ein rein heidnisches Symbol in scharfer Abgrenzung zum christlichen Kreuz steht, ist offenbar diskussionswürdig!